Presse
Ein Rausch aus Klang und
Virtuosität

Silvesterkonzert in der Neuenbürger Stadtkirche begeistert mit
Orgelklängen
Bestens aufeinander eingespielt und von technisch ausgereifter
Kunstfertigkeit präsentierte sich das Duo „Klangraum“, Sun Kim und
Christian David Karl, beim Silvesterkonzert in der Neuenbürger
Stadtkirche.
Während draußen die ersten Böller den Jahreswechsel
ankündigen, wird die Neuenbürger Stadtkirche am Silvesterabend mit
„Klangvollen Meisterwerken für zwei Orgeln“ erfüllt. Das festliche
Programm des „Duo Klangraum“ bot sein ganz eigenes brillantes
Feuerwerk. Bezirkskantorin Sun Kim und Christian David Karl, Kantor
an der Klosterkirche Alpirsbach, konnten bei ihrem vierten
Silvesterkonzert im voll besetzten Gotteshaus erstmals von der
ganzen Klangpracht und den programmierbaren Registereinstellungen
der renovierten Mühleisen-Lenter-Orgel profitieren. Wo sonst ein
ganzes Sinfonieorchester mit wechselnden Soloinstrumenten,
Registergruppen und Tutti agiert, sind hier vier Hände und Füße mit
höchster Präzision und ausgeklügelten Tastenkombinationen auf zwei
Manualen und Pedal unterwegs. Die von Christian David Karl
verfassten Transkriptionen erreichen dabei ein beachtliches Niveau
in Sachen Orchestrierung.
Dem Fanfarensignal aus der berühmten Ouvertüre der Oper
„Wilhelm Tell“ von Gioachino Rossini folgt der Parforceritt des
Galopps in wildem Rhythmus von Blech und Schlagwerk und
voranpreschenden Holzbläsern. Auch Mozarts Ouvertüre zur „Hochzeit
des Figaro“ ist ein energiegeladener Vorbote und eine
betörend-temperamentvolle Klangkulisse für die Oper, die sie
einleitet. Mal kraftvoll aufbrausend, mal zart nuanciert setzt das
Künstlerehepaar immer wieder schöne Akzente. Herausragend gelingt
den beiden auch die Interpretation des „Boleros“ von Maurice Ravel.
In der von einem markanten Rhythmus und einer exotisch angehauchten
Melodie gekennzeichneten Ballettmusik übernimmt Kim souverän das
Ostinato der kleinen Trommel. Zum stetig wachsenden Crescendo
wandert Karl in den insgesamt 18 Wiederholungen des Themas von
Flöte, Klarinette und Fagott über Oboe und Trompete zu den
Saxophonen, um schließlich mit Kim in der vollen Orchesterbesetzung
und dem dissonanten Schlussakkord zu verschmelzen. Zwischen den
sinfonischen Werken erklingt das von Padre Antonio Soler (1729 bis
1783) komponierte vierte von insgesamt sechs Konzerten für zwei
Orgeln. Die eine tänzerische Leichtigkeit ausstrahlenden Sätze
„Afectuoso – Andante non largo“ und „Minué“ sind aufgrund
kontrastreicher, virtuoser Variationen technisch anspruchsvoll.
Federführend moduliert hier Kim auf der Orgelempore die Themen,
während Karl an der Truhenorgel im Altarraum für Echoeffekte sorgt
und die Vielstimmigkeit in der räumlichen Distanz unterstreicht.
Ergänzt wird das Programm durch eine Improvisation an beiden Orgeln
voller experimenteller Expressivität.
Dem lautstarken Beifall sowie dem Dank und den
Neujahrswünschen von Dekan Joachim Botzenhardt setzt der
Radetzky-Marsch einen fulminanten Schlusspunkt.
Karin Ferenbach Neuenbürg / Pforzheimer Zeitung
Adventskonzert - Musikverein - Kantorei - Musikschule -
Gymnasium
Besucher der Stadtkirche erleben ein außergewöhnliches
Adventskonzert
Das Weihnachtskonzert in der voll besetzten Stadtkirche in Neuenbürg wurde im Jubiläumsjahr der Stadt Neuenbürg zu einem Ereignis, das weit über die üblichen Erwartungen hinausging. Die zahlreichen Besucher erlebten einen musikalischen Abend, dessen strahlender Höhepunkt die erstmalige Zusammenarbeit von Musikverein, Gymnasium, Jugendmusikschule und der Bezirkskantorei Neuenbürg war. Gemeinsam wagten sich die Ensembles an ein Werk von besonderem Rang: Gioachino Rossinis Petite Messe solennelle, ein Meisterwerk der Chorliteratur, das an diesem Abend mit beeindruckender künstlerischer Geschlossenheit und emotionaler Kraft zum Leben erwachte. Unter der Leitung von Jörg Hankele (Schüler-Eltern-Lehrer-Chor) und Sun Kim (Kantorei) entfaltete sich ein großbesetzter Klangkörper. Schon die ersten Takte machten deutlich, dass hier eine besondere künstlerische Konstellation zusammengefunden hatte: präzise geführt, transparent im Klang und diese Spannung zwischen inniger Bitte und musikalischer Eleganz - getragen von einer bemerkenswerten klanglichen Homogenität und einem sicheren Gespür für phrasierten Aufbau. Die Solistinnen Flora und Stella Renk setzten glanzvolle Akzente, während Christian Knebel am Klavier und Sun Kim an der Orgel für eine stilvolle, technisch souveräne und zugleich lyrisch sensible Begleitung sorgten.
Erschienen in den Neuenbürger Stdat Nachrichten
Feierliche Enthüllung der Orgelpfeifen-Spendertafel

„Den Abschluss eines großartigen Projektes“, so Jörg Hurrle in
seiner Ansprache, feierte am Sonntag die Evangelische
Verbundkirchengemeinde Neuenbürg. Nach der umfangreichen Sanierung
der Stadtkirche (2021 bis 2024) sowie der erfolgreichen Renovierung
und Erweiterung der Mühleisen-Lenter-Orgel konnte nun deren
Finanzierung nahezu abgeschlossen und die Spendertafel enthüllt
werden. Zahlreiche Orgelpfeifenpaten waren zu diesem Anlass der
Einladung in die Stadtkirche gefolgt. Schließlich haben sie mit
ihren Beiträgen das Projekt maßgeblich unterstützt. Wie Hurrle,
zweiter Vorsitzender des Förderkreises Kirchenmusik, weiter
ausführte, hätten von den insgesamt 254 neuen Pfeifen 223 einen
Paten gefunden, und es kamen dadurch Spendengelder von insgesamt
42.310 Euro zusammen. Laut Dekan Joachim Botzenhardt beliefen sich
die Kosten für die Orgelsanierung auf 180.000 Euro. „Zwischen 10.000
und 20.000 Euro fehlen aktuell noch, je nach den noch zu erwartenden
Zuschüssen“, meinte er. Viele Leute hätten bis zum erfolgreichen
Abschluss mitgewirkt, buchstäblich alle Register gezogen und dazu
beigetragen, dass die Orgel nun ganz neue Ausdruckmöglichkeiten mit
feinen, sanften Klängen der Romantik habe, betonte Hurrle. Er
verwies in diesem Zusammenhang auf die Gründung des Förderkreises
Kirchenmusik, der die Orgelpatenschaft unter der Leitung von
Caroline Hillenbrand federführend initiiert und einen Teil der
Mitgliedsbeiträge für die Orgelrenovierung reserviert habe.
Bezirkskantorin Sun Kim habe mit musikalischen
Benefizveranstaltungen und Botzenhardt mit organisatorischen
Vorschlägen die Sache vorangetrieben. Der Dekan sprach von einem
„wunderbaren Resonanzraum“, der durch den „Flow“ aller Beteiligten
entstanden sei, welcher bereits vom damaligen Bezirkskantor Bernhard
Müller angestoßen wurde. „Ohne Sie alle hätten wir keinen Tiefbass
und keine Romantik“, lobte er „die tolle Gemeinschaftsleitung“. In
Zusammenarbeit mit dem Orgelsachverständigen Hans-Martin Braunwarth
wurde von Sun Kim und Christian David Karl ein Klangkonzept
erarbeitet und bis zur Fertigstellung begleitet. Dabei habe Sun Kim
mit ihrem Spiel und ihrem Charme unsere Herzen gewinnen können, so
Botzenhardt. Die neue Orgel zum Klingen brachte denn auch die
Bezirkskantorin im bewegten Zusammenspiel mit Naemi Wagner an der
Violine. Dem Applaus folgten die Enthüllung der Tafel mit den Namen
aller Unterstützer durch Hurrle und Botzenhardt und ein Sektumtrunk.
Pforzheimer Zeitung / Karin Ferenbach
Festliche Pracht mit Trompete, Pauke und Orgelduo

Historische Nachbauten
glänzen bei Konzert
Es ist ein besonderes Konzert, das
am Freitagabend in der Evangelischen Stadtkirche in Neuenbürg
erklingt. Nicht nur würdigt es 750 Jahre Stadtgeschichte und 100
Jahre Musik Verein Neuenbürg. Alle Instrumente die an diesem Abend
zum Einsatz kommen, auch das historische Gehäuse der großen Orgel,
sind im Barockstil nachgebaut. Mit Trompetenklängen, Paukenwirbel
und Orgelmusik erlebten die Zuhörerinnen und Zuhörer einen Abend,
der die festliche Pracht der Barockzeit (circa 1600 bis 1750) in den
Kirchenraum zurückbrachte. Das Publikum des sehr gut besuchten
Konzerts nahm das Programm dankbar und mit viel Applaus an.
Schließlich wollten die Veranstalter, Bezirkskantorin Sun Kim und
Michael Pietsch-Rether, der seit 25 Jahren die Blechbläserausbildung
an der Jugendmusikschule in Neuenbürg und die Leitung der dortigen
Stadtkapelle inne hat, ihrem Publikum damit einen besonderen
musikalischen Akzent im Jubiläumsjahr bieten.
So gaben an der Trompete Mark Ben-nett,
Pietsch-Rether und Benedikt Kilburg, an der Pauke Tolga Anlar, an
Orgel und Cembalo Christian David Karl und an der Orgel Kim
Eindrücke aus der Barockzeit und davon, wie spontan ein Konzert
sich entwickeln kann, wieder. Spontan hatte sich auch die
Zusammensetzung unter den Musikerinnen und Musikern geändert.
Statt wie im Programm beschrieben Tobias Krieger war Benedikt
Kilburg unter den Trompetern mit dabei.
Dieser hat bei Star-Trompeter Reinhold Friedrich gelernt.
Pietsch-Rether hatte die Idee zu diesem
besonderen Konzert. Er wollte eine Naturtrompete im Konzert
einsetzen. Da-durch kam er in Kontakt mit Bennett, einem
international renommierten Barocktrompeter. Bennett regte an,
eigens eine Trompete im Stil des 18. Jahrhunderts nachbauen zu
lassen. In England wurde schließlich ein solches Instrument
gefertigt, das nun erstmals in Neuenbürg zu hören war.
Aus dieser Zusammenarbeit entwickelte sich mehr:
Pietsch-Rether organisierte gemeinsam mit Bennett einen Meister Kurs
für Studierende der Musikhochschule Karlsruhe. Einer der Teilnehmer
war Kilburg. Gemeinsam mit der Bezirkskantorin Kim entstand die
Idee, ein Barockprogramm in der Stadtkirche aufzuführen – als Dank
für die lange musikalische Tradition in der Stadt.
Sehr persönlich wurde der Konzert-Moment
beispielsweise durch die bekannte Ouvertüre aus der
„Feuerwerksmusik“ HWV 351 von Georg Friedrich Händel (1685-1759).
Diese wurde bei der Hochzeit von Pietsch-Rether mit seiner Frau
Christina Rether gespielt. „Mir war es wichtig, dass die Pauke schön
zur Geltung kommt, weil Trompeten und Pauken in der Zeit einfach
zusammengehört haben“, sagte Pietsch-Rether im Nachgang. So glänzte
Anlar mit seiner spontanen Uraufführung eines Pauken-Solos. Unter
anderem mit der Orgelimprovisation „Soundscape“ rundeten Kim und
Karl an Truhenorgel und Cembalo den Abend ab.
Beeindruckende
Johannspassion

Mit großem Ensemble gelang in der Neuenbürger
Stadtkirche eine ergreifende Aufführung der
Bach'schen Johannespassion.
Von Verzweiflung und Erlösung: Beeindruckende „Johannespassion“ in
Neuenbürg
Angespannt lauscht das Publikum dem Passionsbericht
des Johannes in der musikalischen Übersetzung Johann Sebastian
Bachs, um nach der zweistündigen Aufführung und kurzem Innehalten in
tosenden Beifall auszubrechen. Dabei ist wohl nur wenigen bewusst,
welche Leistung hinter einer derart ergreifenden Wiedergabe mit
einem so großen Ensemble tatsächlich steckt.
Rund 80 Mitglieder der Bezirkskantorei Neuenbürg und
deren Kinderchor sowie der Kantorei Alpirsbach, vier Solisten und
die Instrumentalisten des Karlsruher Barockorchesters fanden sich am
Sonntagabend für die Darbietung der an Karfreitag 1725 aufgeführten
zweiten Fassung der „Johannespassion“ in der voll besetzten
Stadtkirche ein.
Das Werk ist schlichter und zugänglicher als die ein
Jahr zuvor uraufgeführte erste Fassung. Die hohe Gewichtung der
Choräle und Chorpartituren im Wechsel mit fast opernhaften Arien
verlangt den Sängerinnen und Sängern viel Konzentration ab. Unter
der Leitung der Neuenbürger Bezirkskantorin Sun Kim und ihrem
Ehemann, dem Alpirsbacher Kantor Christian David Karl, gelingt den
Ausführenden eine dramatisch dichte und musikalisch sinnfällige
Darbietung. In den Turba-Chören kommt das erregte Volk durch
polyphone Überlagerung und deklamatorische Schärfe der Stimmen
ausführlich zu Wort, während in den eingängig fließenden Chorälen
aus Kirchenliedstrophen teilnehmende Reflexion ausgedrückt wird.
Mit der von Bach eingefügten Arie „Zerschmettert
mich“ lässt Tenor Erik Grevenbrock-Reinhardt die Verzweiflung und
Selbstvorwürfe Petrus‘ nach der Verleugnung Jesu schmerzhafte
Realität werden. Auch seine Rezitative ließen das Geschehen von der
Festnahme Jesu bis zu seiner Kreuzigung und Grablegung durch
passende Modulationen bei angenehmem Timbre wirkungsvoll lebendig
werden.
In der Arie „Von den Stricken meiner Sünden“ zu Jesu
Fesselung kann Altistin Lea Krüger koloraturtechnisch nur wenig
überzeugen, während ihr später in der Trauerarie „Es ist
vollbracht!“ eine sehr innige, ergreifende Wiedergabe gelingt. Die
leicht indisponierte Sonja Grevenbrock zeigt mit ihrem hellen Sopran
eine erstaunliche Geläufigkeit in den virtuosen Passagen ihrer Arie
„Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten“. Makitaro Arima
(Bass) verleiht den Christusworten eine Aura hoheitsvoller
Ausstrahlung. Mit der Arie „Eilt ihr angefochtnen Seelen“ führt er
die „Wohin?“ fragende Gemeinde nach Golgatha. Und tänzerisch
anmutend entwickelt er kurz darauf in der Arie „Mein teurer Heiland“
einen Gegenpol zum darin verwobenen andächtigen Choral.
Die besonderen Klangwirkungen des in historischer
Aufführungspraxis musizierenden Barockorchesters Karlsruhe –
unterstützt von Sun Kim und Christian Karl an Cembalo und
Truhenorgel – verleihen den Arien ein individuelles Kolorit und
sorgen für Spannung in der Konfrontation zweier Welten, die auch den
heutigen Menschen noch zu fesseln vermag.
Pforzheimer Zeitung – Karin Ferenbach
Interview mit Sun Kim und
Christian Karl
Sun Kim ist Bezirkskantorin und gestaltet musikalisch die Gottesdienste unserer
Verbundkirchengemeinde. Sie ist mit dem Kantor der Alpirsbacher
Klosterkirche Christian Karl verheiratet. Beide sind das DUO
KLANGRAUM und wohnen in Neuenbürg.
Nach 8 Monaten Bauzeit haben Sie seit dem Ewigkeitssonntag
„Ihre" Orgel zurück. Wie fühlt sich das an?
Kim: Gut (grinst). In den Klang der Orgel ist eine feine und
zarte Wärme gekommen. Auch der neu sanierte Innenraum hat die
Akkus-tik verbessert. Kirche und Orgel passen jetzt bestens
zusammen.
Die Orgel wurde in alle Einzelteile zerlegt, gereinigt, mit
viel neuer Technik versorgt und um fünf Register erweitert. Worin
unterscheidet sich die „neue" von der „alten" Orgel?
Karl: Der Klang ist einerseits tragender und voller geworden.
Durch die verschiedenen 8-Fuß-Farben gibt es mehr
Kombinationsmöglichkeiten und damit auch mehr Klänge. Durch die
„Gambe" (ein neues Register) kann man zusammen mit der Flöte eine
Klarinette spielen. Andererseits ist die Orgel in sich stimmiger.
Alle alten Pfeifen wurden nachbearbeitet.Alle Pfeifen fügen sich nun
zusammen zu einem runden Klangkonzept.
Kim: Das ist wie bei einem guten Essen, bei dem alles gut
aufeinander abgestimmt ist, alle
Zutaten harmonieren und nichts unangenehm vorschmeckt.
Was wurde technisch gemacht und warum?
Karl: Die komplette alte Elektronik wurde entfernt. Das war
auch für einen besseren Brandschutz relevant. Die bisherigen
elektropneumatischen Registerschaltungen wurden durch
elektro-magne-tische ersetzt. Dadurch entstand Platz im Untergehäuse
für das Gebläse, das aus dem kalten Turm herausgenommen wurde und in
die Orgel eingebaut werden konnte. Wir haben damit die Schimmel
erzeugende Kältebrücke entfernen können. Die neue Setzeranlage
ermöglicht das Einspeichern von beliebig vielen
Registerkombinationen - bisher waren es lediglich zwei! Diese sind
dann auf Knopfdruck abrufbar.
Was gefällt ihnen an der neuen Orgel am besten?
Zu welcher Art von Musik lädt das neue Instrument ein?
Kim: Die Schwebung (ein neues Register). Es erzeugt sanfte
Engelsklänge und erweitert mein Repertoire. Für romantische Stücke
habe ich jetzt eine Palette von Grundstimmen, auch die Gamba, den
Violonbass, die vorher nicht da waren. Endlich kann ich deutsche
und französische Romantik spielen. Bisher musste ich da viele
Kompromisse machen. Das Stück vorn Sonntag „Prierä ä Notre Dame" von
Löon Boellmann kann man jetzt ohne Kompromisse ganz nach seiner
Vorstellung darstellen.
Haben sie ein Lieblingsregister oder einen Lieblingston?
Kim: Einen Lieblingston habe ich nicht, aber ich mag ganz
besonders die „Gamba". Sie trägt den Gemeindegesang. Karl: Die
Gamba trägt nicht dick auf, aber sie trägt. Kim: Ich höre den
Gemeindegesang mit der Gamba viel besser und fühle mich mit der
Gemeinde noch viel mehr verbunden. Und der Violonbass füllt und
stabilisiert den Klang. Der Violon-bass ist das Fundament auf dem
ich etwas aufbauen kann. Karl: Es gleicht „einem Haus, das auf Stein
gebaut ist". Für mich klingt das Salizional in Verbindung mit der
Schwebung zauberhaft. Begeistert bin ich vorn neuen Plenum mit
seiner neuen Gravität und der sehr schönen Abstimmung.
Die Fragen stellte Joachim Botzenhardt für den "Gemeindebrief"
Tanz auf der Orgel

Silvesterkonzert in der Neuenbürger Stadtkirche begeistert mit
Orgelklängen
Gesichter voller Freude in einer fast bis auf den
letzten Platz besetzten Neuenbürger Stadtkirche, begeistertes
Klatschen, das den Orgelklängen ihren Tribut zollt – so kann der
Start ins neue Jahr 2025 beginnen. Pünktlich um 22 Uhr am
Silvesterabend weihten Sun Kim und Christian David Karl vom Duo
KlangRaum beim Silvesterkonzert unter dem Motto „Tanz auf der Orgel“
die Mühleisen-Lenter-Orgel ein. Nachdem die Innensanierung der
Kirche im Frühjahr nach zwei Jahren abgeschlossen worden war, konnte
man auch die Sanierung des Hauptinstruments der Bezirkskantorin Ende
Oktober abschließen.
Ein breites Portfolio, das zeigt, was die renovierte
und sanierte Kirchenorgel zu bieten hat, präsentierte das Duo.
Christian David Karl moderierte die einzelnen Musikstücke, die von
Tschaikowski, Strauss und Co. handelten. Das Susanne van Soldt
Manuscript aus dem Jahr 1599 ist eine Anthologie für
Tasteninstrumente aus dem Jahr 1599, bestehend aus 33 Stücken, die
von oder für ein in London lebendes junges flämisches oder
holländisches Mädchen kopiert wurden. Wie Karl verriet, umfasse das
Werk frühe Tänze, die passend zur Zeit mit dem Tamburin gespielt
wurden. Hans Leo Hassler (1564–1612) drücke mit seinem Werk „Canzon
duodecimi toni a 8 (‚Sacri concentus‘ Nürnberg, 1601)“
Instrumentalmusik für verschiedene Chöre aus. Von da aus ging es zu
einem der Höhepunkte des fast anderthalbstündigen Konzerts, dem
„Walzer zu vier Füßen“ von Johann Strauß Sohn (1825–1899),
bearbeitet von Johannes M. Michel (1962). Eindrücklich konnte auch
das Publikum im unteren Kirchenraum über den Bildschirm
nachverfolgen, wie, ganz berühmt für Wien, die Walzer im
Zusammenspiel von Sun Kim und Christian David Karl ihren vollendeten
Klang entfalten konnten. Es folgte die Improvisation des Duos.
„Damit möchten wir mal andere Klangfarben der Orgel zeigen und was
man sonst noch bieten kann, außer den Klängen des Walzers.“ Pjotr
Iljitsch Tschaikowskis (1840–1893) „Nussknacker-Suite, op. 71 a“,
werde typisch zur Winter- und Weihnachtszeit gespielt, verriet
Bezirkskantorin Sun Kim. Hier kann man unterschiedliche Instrumente,
zum Beispiel Querflöte und Klarinette, an der Orgel erklingen
lassen. 30 Minuten lang durfte das Publikum den Klängen lauschen,
die eigentlich für ein Ballett gedacht seien und sechs Tänze
umfassen, wie Christian David Karl sagte. „Diese Tänze sind sehr
typisch für die Zeit und beinhalten auch den ‚Blumenwalzer‘, der
Ihnen bekannt sein dürfte.“
Als Zugabe durfte man die umgearbeitete Version für
die Orgel des Radetzky-Marschs von Johann Strauß, im Original aus
dem Jahr 1848, hören. Auch die „Tritsch-Tratsch-Polka, op. 214“ von
Johann Strauß Sohn konnte, umgeschrieben von Klavier auf Orgel,
durch die zusätzlichen Stimmen ihren vollen Klang entfalten. Die
Töne der Orgel ergeben sich über die unterschiedlichen Charaktere.
Neu hinzugekommen ist der Violonbass 16‘. Dieser ist
markant streichend, tragend und lyrisch. Auch der Violon 8‘, die
Gamba 8‘ , Salicional 8‘ oder Schwebung 8‘ sind neu. Beide lassen
die Orgel differenzierter und in ihren Feinheiten mehr
hervorstechen.
Das nächste größere Konzert ist die „Bach 300 –
Johannes Passion (1725)“ am Samstag, 6. April 2025 um 17 Uhr, in der
Stadtkirche Neuenbürg.
Jennifer Warzecha, Pforzheimer Zeitung 2025

„Tanz auf der Orgel“ beim Silvesterkonzert mit dem Duo
„Klangraum“
Einen vierhändigen und vierfüßigen „Tanz auf der Orgel“
zelebrierte das „Duo Klangraum“ beim dritten Silvesterkonzert in der
ausverkauften Neuenbürger Stadtkirche. Statt auf dem Parkett
schwebten, hüpften, wirbelten und schritten Hände und Füße von
Bezirkskantorin Sun Kim und ihrem Partner Christian David Karl über
die beiden Manuale und die Pedale der frisch renovierten
Mühleisen-Lentner-Orgel. Die um 250 neue Pfeifen erweiterte und
jetzt über 30 verschiedene, noch feiner austarierten Stimmen
verfügende Orgel zeigte dabei ihre ganze Klangpracht. Mit Tänzen aus
der Renaissance und der „Nussknacker-Suite“ von Tschaikowski,
Walzern von Johann Strauß Sohn sowie einer Improvisation erfreuten
die beiden Organisten die begeisterten Zuschauer. Zu den Tänzen aus
dem Manuscript der Susanne van Soldt (Verfasser unbekannt) aus dem
Jahr 1599 erklang zusammen mit der Orgel erstmals ein von Karl im
Altarraum gespieltes Portativ, eine kleine tragbare Pfeifenorgel,
die bereits im Mittelalter und bis in die Renaissance als
Ensembleinstrument verwendet wurde. Der handgeführte Blasebalg
erlaubt durch direkten Einfluss auf den Winddruck, Klang und
Lautstärke der Pfeifen zu variieren. Die vier dargebotenen höfischen
Tänze – mal äußerst lebhaft, mal der Seele sanft schmeichelnd –
assoziierten die Klangfarben von Engel- und Hirteninstrumenten und
sorgten so für etwas weihnachtlichen Zauber in der Stadtkirche. Der
tänzerische Charakter des „Canzon duodecimi toni a 8“ des im
Übergang von Renaissance zum Barock von Hans Leo Hassler
geschriebenen Instrumentalwerks für 8-stimmigen Doppelchor kam in
der jeweils vierstimmigen Ausführung der beiden Kirchenmusiker sehr
gut zum Ausdruck. Besondere Effekte bezüglich der Orchestrierung
erzeugten Kim und Karl bei ihrer anschließenden Improvisation.
„Lassen Sie sich überraschen, was die Orgel an Möglichkeiten
außerhalb der gewohnten Literatur zu bieten hat“, betonte Karl in
seiner kurzen Einführung. Auch hier erklangen Motive aus der
weihnachtlichen Krippenszene mit Hirten, die sich bei klirrender
Kälte auf den Weg zu Stall mit dem Kind machen, und aus Dudelsack-
sowie einem engelhaften Glockenspiel. Die beiden Kirchenmusiker
hatten dabei ähnliche Bilder im Kopf und ließen so in ihrem
virtuosen Wechsel- und Zusammenspiel ihr ganz eigenes Kunstwerk
entstehen. In die Welt der russischen Ballettmusik entführte das
Paar die Zuhörer mit Pjotr Iljitsch Tschaikowskis
„Nussknacker-Suite“, op. 71 a. In dieser stellte der Komponist acht
besonders gelungene und farbig orchestrierte Sätze aus dem
gleichnamigen Ballett zusammen, dessen Uraufführung erst ein halbes
Jahr später erfolgte. Aus dem ersten Akt stammen die Ouvertüre und
der Marsch, der die Reihe der charakteristischen Tänze eröffnet.
Hier ließen Kim und Karl die Figuren zu den eingängigen Rhythmen
über die Bühne stolzieren, während die Zuckerfee mit viel
Glitzerglanz über dem Geschehen zu schweben schien. Kurz und
impulsiv dann ihr Solotanz, gefolgt vom feurigen russischen „Trepak“
und dem „Arabischen Tanz“ mit seinem orientalisch-melancholischen
Einschlag. Nach dem spritzigen, im ostinaten Tripelrhythmus
gesetzten „Chinesischen Tanz“ glänzten in graziöser Manier die
Rohrpfeifen im „Danse des Mirlitons“. Krönender Abschluss der
„Nussknacker-Suite“ war der berühmte „Blumenwalzer“, das längste
Stück des als „musikalisches Märchenwunder“ bezeichneten Werks, mit
dem Tschaikowski seine Verbundenheit zu Johann Strauß bekundete.
Letzterer durfte am Silvesterabend natürlich nicht fehlen, zumal
2025 dessen 200jähriger Geburtstag gefeiert wird. Im Arrangement
„Walzer zu vier Füssen“ von Johannes M. Michel ließen Kim und Karl
ausschließlich ihre Füße auf den Pedalen spielen bzw. tanzen, um die
ganze Klangpracht der Walzer von Johann Strauß, darunter „Rosen aus
dem Süden“, „Zigeunerbaron“ und „Fledermaus“, zum Leben zu erwecken.
Mit der „Tritsch-Tratsch-Polka“ setzten sie dem Konzertabend einen
rasanten Schlusspunkt. Den Titel und die humorvoll karikierende
Musik wählte Strauß, der damals schon ein Weltstar war, um sich über
den Tratsch der Wiener Boulevardpresse zu seinen Affären und
Liebeleien lustig zu machen. Tosender Applaus machte sich im
Kirchenschiff breit und forderte eine Zugabe ein. Mit dem populären
Radetzky-Marsch von Johann Strauß (Vater) leiteten Kim und Karl über
zu den knallenden Sektkorken im Foyer der Kirche. Dort wurde um
Mitternacht bei Schaumwein und Häppchen in geselliger Runde das neue
Jahr begrüßt.
K. Ferenbach
Rossini Petite Messe solennelle
Samstag, 19. Oktober 2024, 17:00 Uhr Stadtkirche Neuenbürg
Sonntag, 20. Oktober 2024, 17:00 Uhr Klosterkirche Bad
Herrenalb

Rossinis Petite Messe eindrucksvoll
und mutig umgesetzt
Mit der Aufführung der „Petite Messe Solennelle“ von
Gioacchino Rossini am vergangenen Samstag in der Stadtkirche
Neuenbürg hat Bezirkskantorin Sun Kim großen Mut bewiesen. Verlangte
doch die Einstudierung und Präsentation des 90-minütigen,
facettenreichen geistlichen Werkes den beteiligten Sängern und
Instrumentalisten, allen voran den Mitgliedern der Bezirkskantorei,
einiges ab. „Wir hatten eine sehr lange und intensive Probenphase“,
berichtete eine Choristin nach dem Konzert, bei dem wider Erwarten
einige Stühle unbesetzt blieben.
In der kammermusikalischen Vertonung des
katholischen Messetextes lässt das Zusammenspiel, aber gerade auch
der Kontrast von sakralem Gesang, opernhaften Melodien und
markant-perkussivem Klang zweier Klaviere und Harmonium aufhorchen.
Mit einer gut besetzten Kantorei, den erfahrenen
Solisten Barbara Friebel (Sopran), Lea Krüger (Alt), Joaquín
Asiáin (Tenor) und Makitaro Arima (Bass), Musikschulleiter Christian
Knebel und dessen Frau Ljiljana Borota am Klavier sowie Christian
David Karl am Harmonium gelang Sun Kim eine interessante und
weitgehend ausgewogene Interpretation von Rossinis Spätwerk.
Wenngleich die Choristen an manchen Stellen aufgrund der hohen
Anforderungen etwas zurückhaltend agierten, überzeugten sie doch in
den beiden ausgedehnten Fugen „Cum Sancto Spiritu“ (Abschluss des
„Gloria“) und „Et vitam venturi saeculi“ (am Ende des „Credo“) mit
beschwingter Leichtigkeit, welche die polyphonen Klangbilder bis in
die hintersten Winkel des Kirchenschiffs schweben ließ.
Die Solisten glänzten in ihren Solo- und Ensemblepartien mit
ausdrucksstarken Momenten. Mit hellem Tenor und den Blick ins
Publikum gerichtet, gestaltete Tenor Asiáin ein ausdrucksstarkes
„Domine Deus“. Der sonore Bass von Arima ließ im „Quoniam tu solus
Sanctus“ aufhorchen. Sopranistin Friebel glänzte mit klarer
Stimmführung in „O Salutaris Hostia“, in der sie flehentlich die
heilbringende Kraft der Hostie im Abendmahl betont. Sehr klangschön
auch das Duett Friebel - Krüger
im „Qui tollis“ (Gloria), in dem die beiden Stimmen harmonisch
zu verschmelzen schienen, aber dennoch in einem spannenden Dialog
blieben. Mit wohlig-weichem Timbre gestaltete Krüger ihre
Solopartien. Zum abschließenden Höhepunkt wurde das von ihr im
Zusammenspiel mit dem Chor vorgetragene „Agnus Dei“, das bei aller
Dynamik auch einen versöhnlichen Charakter ausstrahlte.
Die Aufführung erntete denn auch langanhaltenden Beifall.
Polizeimusikkorps

Benefizkonzert des Polizeimusikkorps Karlsruhe sorgte erneut für
Begeisterung
Bereits zum dritten Mal gastierte das Polizeimusikkorps Karlsruhe am
Sonntag, dem 14. April, in der Evangelischen Stadtkirche in
Neuenbürg. Und erneut fließen die Einnahmen aus diesem
Benefizkonzert in die Renovierung des Gotteshauses. Möglich gemacht
hat dies Alfred Gerwig aus Dennach, der seit vielen Jahren gute
Kontakte zu dem Klangkörper pflegt. Das vielseitige ehrenamtliche
Engagement des langjährigen Neuenbürger Stadtrats wurde an diesem
Abend sowohl vom Blasorchester selbst als auch von Dekan Joachim
Botzenhardt und Bezirkskantorin Sun Kim gewürdigt. Unter der Leitung
von Mario Ströhm präsentierte das 1981 gegründete und mit bis zu 70
aktiven Musikern größte Polizeiorchester Deutschlands eine Mischung
aus sakraler und weltlicher Musik. Es ist ein reines
Freizeitorchester, das vom Förderverein mit seinen inzwischen circa
750 Mitgliedern finanziell unterstützt wird. Moderator und Trompeter
Anton Gramlich führte in unterhaltsamer Manier durch das gut
einstündige Programm. Neben geistlichen Werken wie dem berühmten
Kanon von Johann Pachelbel und einem modernen Arrangement des Kanons
„Dona nobis pacem“ erklangen Stücke aus dem Barock, darunter das
„Adagio“ aus dem Oboenkonzert von Bendedetto Marcello und das
„Rondo“ aus dem Klarinettenquartett von Henry Purcell sowie
Programmmusik von Jacob de Haan („Concerto d’Amore“) und Michael
Hoppé („This Majestic Land“). Abgerundet wurden die Darbietungen mit
den Auftritten der beiden Gesangssolisten Nina Hirschler und Toni
Bergsch. Die ausgebildete Musicalsängerin und Polizeihauptmeisterin
erfreute die Zuhörer mit ihrer Interpretation des Titels „Gold von
den Sternen“ aus dem Musical „Mozart“ sowie Jennifer Rushs Kulthit
„The power of love“. Der pensionierte Polizeihauptkommissar sang
einfühlsam John Lennons „Imagine“ und Leonard Cohens „Halleluja“.
Auch im Duett überzeigten die beiden mit der Pop-Ballade „Up where
we belong“, die für den Film „Ein Offizier und Gentleman“ komponiert
wurde. Unter den Gästen waren neben Bürgermeister Fabian Bader und
dessen Gattin auch der Leiter des Polizeireviers Neuenbürg, Thomas
Huber, sowie die Schirmherrin des Musikkorps, Polizeipräsidentin
Caren Denner. Denner wurde in der Kirche getauft, ebenso wie das
88jährige Urgestein und Tubist des Klangkörpers, Alfred Woerlen.
Sehr berührt, aber auch applausfreudig, zeigte sich das begeisterte
Publikum angesichts der geballten Spielfreude und der vielen
Genussmomente.
Bildunterschrift: Mit seinem Benefizkonzert zugunsten der
Stadtkirche begeisterte das Polizeimusikkorps Karlsruhe mit Sängerin
Nina Hirschler und Sänger Toni Bergsch erneut die zahlreichen
Besucher in der Stadtkirche.
Matthäus-Passion in der Georgskirche

Vokalensemble „Septimbre“ und Florian Lampadius gestalten
Karfreitagskonzert mit der Matthäus-Passion von Heinrich Schütz.
Nach der JohVerdana, Arial, sans-serifannespassion von Heinrich Schütz mit der Bezirkskantorei
und Solisten im letzten Jahr, erklang am vergangenen Karfreitag
dessen Matthäuspassion in der altehrwürdigen Sankt Georgskirche am
Neuenbürger Schlossberg. In dieser von der Evangelischen
Verbundkirchengemeinde und Schloss Neuenbürg gemeinsam
veranstalteten Konzertreihe veranstalteten Konzertreihe gelang dem vierköpfigen Vokalensemble
„Septimbre“ und Tenor Florian Lampadius eine äußerst eindringliche
Interpretation der „Historia des Leidens und Sterbens unseres Herrn
und Heilandes Jesu Christi nach dem Evangelium St. Matthäus“ im voll
besetzten, mittelalterlichen Sakralbau.
Schütz’ Passionen nach den
Evangelisten Matthäus, Lukas und Johannes sind allesamt
Auftragskompositionen für den Dresdner Hof. Mit diesen Spätwerken
beschließt Schütz die Reihe seiner biblischen Historienvertonungen.
Dabei handelt es sich um reine A-cappella-Vertonungen (also ohne
instrumentale Begleitung) von hohem handwerklichem Anspruch und
zugleich dichter, verinnerlichter Expressivität. Als letzte der drei
Passionsvertonungen entstand 1666 jene nach dem Evangelisten
Matthäus, die in ihrer Klangsprache auf das Wesentliche reduziert
ist und ganz nah am Text der vertonten Kapitel 26 und 27 bleibt. Ihm
wurde vom Komponisten ein einleitender, Introitus genannter Chorsatz
vorangestellt und am Ende ein etwas längerer Beschluss als
motettenartiger Chor hinzugefügt. Diese beiden sowie alle weiteren
20 vierstimmigen Chöre (darunter die Beiträge der „Ganze Haufe”, der
Hohenpriester und Ältesten, der Jünger Jesu, des jüdischen Volkes
oder der Kriegsknechte) wurden an Karfreitag vom Ensemble
„Septimbre“ intoniert. Sie sind musikalisch sehr gehaltvoll und
tiefsinnig gestaltet und spiegeln die Handlung teilweise sehr
energiegeladen, teilweise geradezu abgründig wider. Das
Vokalquartett gestaltete die eher kurz gehaltenen, jedoch rhythmisch
komplexen und polyphon ausgeführten Chorstücke bestens aufeinander
abgestimmt, insbesondere was auch die nahtlos aufeinanderfolgenden
Einsätze anbelangt.
Die wichtigste Rolle kommt dem Evangelisten, dem
Tenor-Solisten, zu, der die Geschichte erzählt. Hier gelang Florian
Lampadius eine atmosphärisch sehr ergreifende, mitunter sehr
emotional aufgeladene Schilderung des dramatischen Geschehens in
Jerusalem, vom Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, über dessen
Verurteilung und Kreuzigung, bis hin zur Grablege. Mit lupenreiner
Intonation und perfekter Textverständlichkeit versetzte der Pfarrer
aus Loffenau sich und die Zuhörer in die Perspektive von Augenzeugen
und schuf dadurch eine große persönliche Anteilnahme am Leiden und
Sterben Jesu. Auch die Solisten des Gesangsquartetts meisterten ihre
Partien der musikalisch-rhetorischen Figuren und deren Zusammenspiel
mit klarer Artikulation äußerst wirkungsvoll. Allen voran Bassist
Christian David Karl, der als Jesus und Hohepriester Caiphas nach
dem Evangelisten am stärksten gefordert war.
Ihm zu Seite standen
nicht minder ausdrucksstark, jedoch mit wesentlich kürzeren
Passagen, der Tenor Lukas Ruckelshausen, der den Petrus und den
Pilatus verkörperte, Julia Heidemann, die den Mägden Ancilla I und
II ihre helle, durchdringende Sopranstimme verlieh, sowie Sun Kim
(Alt) in der Rolle des Judas und Pilatus‘ Weib.
So wurde die
Aufführung zu einer lebendigen musikalischen Darstellung, die nach
dem kunstvollen Schlusschor, der auf den Erlöser und die
Dreieinigkeit Gottes hinweist, in andächtige Stille und
anschließenden, langanhaltenden Applaus mündete.
Karin Fehrenbach/ Neuenbürger Stadt-Nachrichten
Virtuoses Silvesterkonzert

Duo „Klangraum“ verzaubert musikalischen Jahreswechsel in Neuenbürg
Neuenbürg mit Walzern, Konzert- und höfischer Tanzmusik.
Nach der vom Publikum bestens aufgenommenen Premiere im
zurückliegenden Jahr, gestaltete das „Duo Klangraum“ mit der
Neuenbürger Bezirkskantorin Sun Kim und ihrem Partner Christian
David Karl erneut ein Silvesterkonzert. Allerdings nicht wie
ursprünglich vorgesehen in der weitgehend sanierten Stadtkirche,
sondern im Gemeindehaus am Schlossberg. Die Fertigstellung des
Innenraums verschiebt sich auf Februar.
Bestens eingespielt
Im Mittelpunkt des gut einstündigen Programms standen das dritte
Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach sowie Tänze von
der Renaissance bis zur Romantik. Deren Interpretation durch die
beiden bestens aufeinander eingespielten Kirchenmusiker entwickelte
sich dann auch zu einem virtuosen Tanz beziehungsweise Wechselspiel
auf den Tasten von Klavier, Cembalo und Truhenorgel. Zum Auftakt
erklang der von knappen, klaren Strukturen und Wiederholungen
geprägte erste Walzer aus den „Sechs Walzern zu vier Händen“ von Max
Reger, gefolgt von dessen Bearbeitung für Klavier zu vier Händen von
Bachs drittem Brandenburgischen Konzert. Hierzu hatte Karl eine
Transkription für die Klop-Truhenorgel verfasst, die das Paar
äußerst virtuos – mit dynamischen Akzenten im ersten und minutiös
verspielt, an eine Drehorgel erinnernd, im dritten Satz – darbot.
Doch nahm die fehlende Anschlagskultur eines Klaviers, die auch
nicht durch die wenigen Wechsel in den fünf Registern ausgeglichen
werden konnte, dem ursprünglichen Werk etwas an Brillanz und
Farbigkeit.
Festlich und fröhlich schreitend, mitunter majestätisch eingefärbt
und mit figurativen Variationen kamen die Tänze der Renaissance- und
Barockkünstler Bernardo Storace, Jan Pieterszoon Sweelinck und
Gaetano Piazza daher. In der eher ungewohnten Besetzung von Cembalo
(Karl) und Truhenorgel (Kim) entfaltete sich immer wieder der
typische Echo-Effekt oder ein Zwiegespräch aus Tutti und ergänzender
Improvisation am von einer Neuenbürgerin der Kirchengemeinde
überlassenen Tasteninstrument.
In dem rhythmisch vorantreibenden „Danse russe“ aus der
Nussknacker-Suite“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski wirbelten die
Kosaken vor dem inneren Auge der Zuschauer über die Bühne. Wie im
Vorjahr durfte auch zum diesjährigen Jahreswechsel der berühmte
„Donauwalzer“ von Johann Strauß (Sohn) nicht fehlen. Mit einem am
anderen Ende des Saales platzierten Klavier konnte sich das Publikum
dem Stereoeffekt der hin- und herschwappenden Walzermelodien und
deren enormen Vielfalt auf engstem Raum nicht entziehen, welche die
beiden technisch perfekt umsetzten, im Rubato allerdings nicht immer
durchgängig auf einer Wellenlänge waren.
Mit dem populären Radetzky-Marsch von Johann Strauß (Vater) und
einer Wiederholung von Tschaikowskis „Danse russe“ am Flügel als
Zugabe entließen Kim und Karl das begeisterte Publikum in die
Silvesternacht, zu der auch im Gemeindehaus ein Sektumtrunk
angeboten wurde.
Karin Fehrenbach/Pforzheimer Zeitung 2024

Bild: Karin Fehrenbach
"Poesie und Tango"
Weltschmerz und Aufbegehren
Mit einem sehr
weltlichen Konzert wartete das Bezirkskantorat Neuenbürg am Samstag
im Evangelischen Gemeindehaus auf. Führte die Reise unter dem Motto
„Poesie und Tango“ doch in die von europäischen Auswanderern
besiedelten Armenviertel von Buenos Aires. Als bestens eingespielte
Interpreten des „Tango nuevo“ von Astor Piazzolla und Werken einiger
seiner Zeitgenossen erwies sich dabei das aus Mainz stammende Trio
Thomas Humm (Akkordeon), Fryderyk Jona (Sopran- und Altsaxophon) und
Hermann Heiser (Sprechkunst). Viele von Piazzollas Tangos, die in
den 1960er Jahren entstanden, sind nicht mehr im traditionellen
Sinne tanzbar, sondern in erster Linie Musik zum Zuhören. Piazzolla
seziert die charakteristischen Elemente des Tangos und stellt sie
mit modernen Techniken in einem neuen Licht dar. Sehr einfühlsam
verweben Humm und Jona die komplexen Strukturen, die sich in Tempo,
Rhythmus und Harmonie unterscheiden, zu einem ausdrucksstarken
Ganzen, das sich zwischen akkordischem, rhythmisch vorantreibendem
Spiel des Duos und elegischem Saxophon-Solo bewegt. So entstehen
Stimmungen und Bilder voller Sinnlichkeit und Melancholie, aber auch
von ungestillten Sehnsüchten und der schöpferischen Kraft der Musik.
Deren Texte hat Heiser übersetzt und haucht ihnen in seinen
szenischen Darstellungen Leben ein. Als Betrunkener mit Weinflasche
und Stuhl im Schlepptau betritt er in „Der letzte Suff“ die Bühne,
um seine Geliebte, die ihn für einen anderen verlassen hat, um einen
letzten Kaffee zu bitten. Auf die Rose in seiner Hand verweisend,
erzählt er vom Schicksal des „kleinen Jungen vom Bachín“, der die
Blumen in den Restaurants der Theaterzone von Buenos Aires verkauft,
um seine notleidende Familie zu unterstützen, möglichst auch mit
Übriggebliebenem vom Grill. Im Lied „Alter blinder Geiger“ schildert
Heiser die Geschichte der Prostituierten María, die in den Slums von
Buenos Aires lebt und stirbt. Der alte Blinde ist ein Symbol für die
Seele des Tangos, der die Leiden und Freuden der Menschen bezeugt.
Herausragend sein parlierender Gesang in der „Ballade für einen
Verrückten“, die er mit Tröte, Konfetti und Melone garniert. Der
surreale Text handelt von einem Mann, der sich in eine Frau
verliebt, die er auf der Straße trifft, und der sich für verrückt
hält, weil er die Welt anders sieht als die anderen, etwa hinter dem
Steuer des „Supersportwagens Marke Illusion“. Viel Beifall für die
gelungene „Collage à trois“, auf den der „Tango último“ von
Piazzolla als Zugabe folgt.
Karin Fehrenbach/Pforzheimer Zeitung
Karin Fehrenbach/Pforzheimer Zeitung

Bild: Robin Daniel Frommer
Ein Fest für die Ohren im Neuenbürger Schloss
Eine abendliche Sommer-Serenade: Das Duo KlangRaum inszenierte ein facettenreiches Konzert im bestens besuchten Fürstensaal des Schlosses Neuenbürg – das spannende Zusammenspiel von Klavichord, Orgel und Konzertflügel wurde mit viel Beifall und Bravo-Rufen belohnt.
Natürlich durfte Mozarts berühmte Suite „Eine kleine Nachtmusik“ nicht fehlen. Vierhändig von Sun Kim und Christian David Karl am Piano einstudiert, perfekt und mit Hingabe dargeboten, zählte sie zu den von Applaus gekrönten Glanzlichtern des Abends. Überschäumend nahm das Publikum im zweiten Set auch die Adaption von Maurice Ravels „Bolero“ für Orgel und Klavier auf, wobei Sun Kims Tastenspiel den kontinuierlichen Ostinato-Rhythmus wiedergab und Christian David Karl an der Orgel „Ravels restlichem Orchester“ Klang und Dynamik verlieh. Am Konzept der Sommer-Serenade habe man gut ein halbes Jahr getüftelt, verrät Christian David Karl. „Intensiv geprobt wurde etwa ein Monat“.
Der Aufwand hat sich gelohnt – und das gilt auch und insbesondere für den ersten Konzertteil, den eher selten zu hörende Renaissance-Kompositionen prägten. Den Auftakt machte die Suite „Danserye“ (1551) aus der Sammlung des niederländischen Buchdruckers und vermutlich ersten Musikverlegers Tielman Susato, die nach dessen damaliger, von Christian David Karl zitierten Anpreisung „bequem zu spielen“ sei, „auf allen Instrumenten“. Eine Aussage, die Kim und Karl im Handumdrehen mit prallem Leben füllten – an den Tasten von Klavichord, Orgel und Konzertflügel – und sogar mit ein paar Takten an der afrikanischen Djembé-Bechertrommel. Selbst Soundfeinschmecker kamen bei reich verzierten Melodien, die jeder Spieluhr bestens zu Gesicht gestanden hätten, voll auf ihre Kosten.
Das Duo variierte beständig das Klangbild von Orgel und Klavichord; man musste die Augen gar nicht schließen, um Passagen in der leisen Färbung von Spinett oder Mandoline (bei Sweelincks „Unter der linden grüne“) wahrzunehmen. Schon die Auftakt-Serenade erhielt kräftigen Applaus. Nach der Improvisation „Romanesca“ folgte das vom spanischen Padre Antonio Soler (1729-1799) für zwei Orgeln komponierte Konzert in G-Dur. Wer sich im Neuenbürger Publikum an die Wucht der großen, betagten Jahrmarktsorgeln vergangener Zeiten noch zu erinnern vermochte, dürfte bei diesen Klängen ziemlich sicher ein akustisches Déjà-vu wohlig genossen haben.
Pforzheimer Zeitung / Robin Daniel Frommer
Förderkreis Kirchenmusik Neuenbürg
gegründet

Von links: Dekan Joachim Botzenhardt, Matthias Rommelfanger,
Carolin Hillenbrand, Edgar Theurer, Jörg Hurrle, Margit Walz,
Angelika Fischer, Jürgen Hiller sowie Kantorin Sun Kim
…..Gerade in den Kirchengemeinden des Dekanatsbezirks Neuenbürg ist die Kirchenmusik schon länger ein Herzstück der kontinuierlichen Aktivitäten. Dies nicht zuletzt dank des Engagements von Sun Kirn, die seit zwei Jahren als Bezirkskantorin diesen Bereich mit viel Leben erfüllt und durch neue Ideen bereichert. „Der nun mit unserer heutigen Gründungsversammlung ins Leben gerufene Förderkreis Kirchenmusik Neuenbürg soll zusätzliche Impulse ermöglichen", unterstrich Dekan Joachim Botzenhardt. Und rund 50 Fördermitglieder waren der Einladung in das Gemeindehaus Neuenbürg gefolgt.
Vor Ort in Neuenbürg ist die Kirchenmusik aktuell geprägt durch die Kantorei mit rund 50 Sänge rinnen und Sängern, einem im Aufbau befindlichen Kinderchor als Projektchor, Orgelkonzerten mit renommierten Organisten, bis hin zum gut frequentierten Orgel unterricht durch die Kantorin. Als erster formaler Akt des neu gegründeten Förderkreises Kirchenmusik Neuenbürg wurde ein Beirat mit acht Mitgliedern gewählt.
Den musikalischen Rahmen der Gründungsversammlung mit einem kleinen Konzert gestalteten Sun Kirn (Klavier), Naemi Wagner (Violine) und Christian Karl (Posaune).
Bild und Textauszug: Gustl Weber Pforzheimer Zeitung
Messe in A-Dur von César Frank
erklingt in Neuenbürger Stadtkirche
Ein Meisterwerk der polyphonen Chormusik

Chor und Orchester der Bezirkskantorei Neuenbürg - Bild: Karin Fehrenbach
Die „Messe in A-Dur" von Cäsar Franck ist eine der herausragenden Kompositionen des 19. Jahrhunderts. Der bekannteste Teil „Panis angelicus" schaffte es bis in den Olymp der Popmusik. Auf die Einführung des Musikschulleiters Christian Knebel folgte die in der gut besuchten Stadtkirche Neuenbürg dargebotene Orgelfassung mit Bezirkskantorei, Projektchor und Solisten unter der Leitung von Bezirkskantorin Sun Kim.
Mit dem erweiterten Projektchor, den Solisten Sonja Grevenbrock - Reinhardt (Sopran), Byungyong Yoo (Tenor) und Yoonjin Ko (Bass) sowie den Instrumentalisten Rachel Kelz (Harfe), Valentin Weibert (Cello), Christoph Eulenhaupt (Kontrabass) und Christian David Karl (Orgel) gelang Sun Kim eine nicht nur stimmgewaltige, sondern auch eine äußerst stimmungsvolle und bewegende Aufführung. Die dicht gewobenen, von klanglicher Wucht und Überlagerungen geprägten, polyphon aufgebauten Sätze lassen Merkmale des eher von deutschen Komponisten verfolgten symphonischen Stils der damaligen Zeit erkennen. Nach der wunderschönen Einstimmung mit dem dreiteiligen „Kyrie" folg ten die vielschichtig angelegten Teile, das „Gloria" und das „Cre do", die von großer Klangfarbigkeit im Wechsel zwischen Solisten und Chor sowie Passagen von Harfe und Cello geprägt sind. Mit einer gewaltigen Schlussapotheose, einem fulminanten Tutti aller Ausführenden, beschließt Franck im „Credo" seine Vertonung der liturgischen Textvorlage.
In ihrer Umsetzung zeigte Kim Gespür für die um den Text mäandernden Melodien und schillern de Harmonik. Sie konnte sich da bei sowohl auf die herausragen den Solisten als auch auf die wandelbare Stimmführung der Choristen verlassen. Das Konzert wurde anlässlich des 200. Geburtstages von Franck und als Benefizveranstaltung zugunsten der Diakonie für die Ukrainehilfe ins Programm des Neuenbürger Bezirkskantorats genommen.
Karin Fehrenbach / Pforzheimer Zeitung