Presse


Funkensprühend und festlich

Duo Klangraum gestaltet einzigartiges Hörerlebnis
an zwei Orgeln. Konzert zum Jahreswechsel in der         
Neuenbürger Stadtkirche.


Duo Klangraum Empore Karin Fehrenbach
Duo Klangraum: Sun Kim und Christian David Karl  - Bild: Karin Fehrenbach

Zum letzten Mal vor ihrer anstehenden Generalüberholung war beim Konzert am Silvesterabend in der Evangelischen Stadtkirche Neuenbürg die 1971 errichtete Mühleisen-Orgel zu hören. So strömten die Besucher zu dem von Bezirkskantorin Sun Kim und Christian David Karl gestalteten, besonderen Hörerlebnis für vierhändiges Orgelspiel, bei der auch die Klop-Truhenorgel mit ihren fünf Registern zum Einsatz kam.
Als Duo „Klangraum“ sind die beiden Kirchenmusiker keine Unbekannten mehr, zumal Karl während seines aktuellen Magisteraufbaustudiums für Orgelimprovisation an der Musikhochschule Stuttgart auch im Kirchenbezirk Neuenbürg immer wieder bei Konzerten und als Organist im Einsatz ist. Obwohl sie als „Königin der Instrumente“ gilt, ist die Orgel - in diesem Fall in neobarocker Disposition angelegt - kein Universalinstrument. So wurden an diesem Abend die Grenzen des Genres „Orgeltranskription“ immer wieder deutlich. Zu den Höhepunkten des gut einstündigen Programms gehörten zweifelsohne die beiden barocken Werke, zunächst das vierhändig und -füßig intonierte „The Grand Halleluiah in the Messiah“, eine von John Marsh bearbeitete Orgelversion des berühmten Schlusschors aus Georg Friedrich Händels Oratorium. Sehr schön modulierte das Duo hier die schnelle, bewegte "Jubel"-Musik, deren Fanfarenklänge und ekstatischen Halleluja-Rufe von majestätisch-gesetzt schreitenden Themen umrankt werden, die die Allmacht Gottes bezeugen sollen. In einer Bearbeitung für zwei Orgeln von Karl erklang Händels berühmte „Feuerwerksmusik“. Der feierlichen Ouvertüre in strahlendem D-Dur, in der die äußerst farbige Registrierung die Hörner-, Flöten-, Trompeten- und Streicher-Klangfarben sowie die Echo-Wirkungen und Thema-Antwort-Passagen zum Strahlen brachten, folgen vier tanzartige Sätze unterschiedlichen Charakters. Sehr schön wurden hier die elegante Bourrée sowie der pastorale, von Holzbläserklängen getragene Satz „La Paix“, die überschwängliche „Réjouissance“ und die beiden abschließenden, kontrastierenden Menuette an den beiden Orgeln wiedergegeben.
Mit seiner typisch romantischen, verträumten Melodieführung und den farbigen harmonischen Wendungen gehört der „Blumenwalzer“ aus der „Nussknacker-Suite“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowksi zu den berühmtesten Werken der klassischen Ballettliteratur. Bei dem vierhändig intonierten Werk, mit den perlenden Harfenklängen als Einleitung zur eigentlichen Walzermelodie, beherrschten die beiden Organisten an den beiden Manualen die äußerst begrenzten Spielflächen souverän und ließen mit dynamischer Registrierung das Hauptthema bis zur glanzvollen Apotheose aufleben.
Ließ das marschähnliche „Prélude“ aus George Bizets Oper „Carmen“ noch ausdrucksstark die Themen der schönen Protagonistin, des Stierkampfes und des Paso Doble aufleuchten, so fehlten dem Donau-Walzer von Johann Strauß Sohn, obwohl aus fünf Walzern mit jeweils zwei Themen bestehend, in der etwas eintönig gehaltenen Bearbeitung für zwei Orgeln die spritzige Eleganz und effektvoll-dynamischen Melodiebögen der Orchesterversion.
Mit einem weiteren Dauerbrenner vieler Silvester-Konzerte, dem Radetzky-Marsch von Johann Strauß (Vater) und dem nochmals glanzvoll den Kirchenraum füllenden „Halleluiah“, verabschiedeten sich Sun Kim und Christian David Karl vom begeisterten Publikum.

Karin Fehrenbach/Pforzheimer Zeitung




Messe in A-Dur von César Frank
erklingt in Neuenbürger Stadtkirche
Ein Meisterwerk der polyphonen Chormusik

Kirchenchor Empore Karin Fehrenbach
Chor und Orchester der Bezirkskantorei Neuenbürg - Bild: Karin Fehrenbach

Die „Messe in A-Dur" von Cäsar Franck ist eine der herausragenden Kompositionen des 19. Jahrhunderts. Der bekannteste Teil „Panis angelicus" schaffte es bis in den Olymp der Popmusik. Auf die Einführung des Musikschulleiters Christian Knebel folgte die in der gut besuchten Stadtkirche Neuenbürg dargebotene Orgelfassung mit Bezirkskantorei, Projektchor und Solisten unter der Leitung von Bezirkskantorin Sun Kim.

Mit dem erweiterten Projektchor, den Solisten Sonja Grevenbrock - Reinhardt (Sopran), Byungyong Yoo (Tenor) und Yoonjin Ko (Bass) sowie den Instrumentalisten Rachel Kelz (Harfe), Valentin Weibert (Cello), Christoph Eulenhaupt (Kontrabass) und Christian David Karl (Orgel) gelang Sun Kim eine nicht nur stimmgewaltige, sondern auch eine äußerst stimmungsvolle und bewegende Aufführung. Die dicht gewobenen, von klanglicher Wucht und Überlagerungen geprägten, polyphon aufgebauten Sätze lassen Merkmale des eher von deutschen Komponisten verfolgten symphonischen Stils der damaligen Zeit erkennen. Nach der wunderschönen Einstimmung mit dem dreiteiligen „Kyrie" folg ten die vielschichtig angelegten Teile, das „Gloria" und das „Cre do", die von großer Klangfarbigkeit im Wechsel zwischen Solisten und Chor sowie Passagen von Harfe und Cello geprägt sind. Mit einer gewaltigen Schlussapotheose, einem fulminanten Tutti aller Ausführenden, beschließt Franck im „Credo" seine Vertonung der liturgischen Textvorlage.
    In ihrer Umsetzung zeigte Kim Gespür für die um den Text mäandernden Melodien und schillern de Harmonik. Sie konnte sich da bei sowohl auf die herausragen den Solisten als auch auf die wandelbare Stimmführung der Choristen verlassen. Das Konzert wurde anlässlich des 200. Geburtstages von Franck und als Benefizveranstaltung zugunsten der Diakonie für die Ukrainehilfe ins Programm des Neuenbürger Bezirkskantorats genommen.

Karin Fehrenbach/Pforzheimer Zeitung